Zeit für etwas Neues

Was können wir von einem Erdmännchen-Clan über nachhaltigen Erfolg lernen? Weit mehr, als Sie denken!

Eine schwere Dürre bedroht die Erdmännchen in ihrem angestammten Lebensraum. Nur wenn sie bereit sind, sich der Veränderung zu stellen und eingefahrene Denkmuster zu überwinden, werden sie die Krise meistern.

Die Bestseller-Autoren John Kotter und Holger Rathgeber zeigen am Beispiel dieser Geschichte, wie wir auch unter schwierigsten Bedingungen unsere Ziele erreichen. Den Erdmännchen gelingt es schließlich, der großen Herausforderung mit völlig neuen Ideen zu begegnen und dem Clan faszinierende Chancen zu eröffnen.

 

Wachsamkeit sowie der Mut, entschlossen Chancen zu ergreifen und Bedrohungen abzuwenden, sind der Schlüssel, um erfolgreich zu sein und es zukünftig zu bleiben. Insofern verwundert es kaum, dass Agilität das neue Mantra der modernen Unternehmensführung ist. Die Suche nach Management-Methoden hierzu ist in vollem Gang – doch diesmal wird das nicht reichen.

Von Holger Rathgeber.

Wir haben längst die Grenzen überschritten, innerhalb derer viele Menschen, Teams und Organisationen dem Ruf nach mehr und schnellerer Anpassung noch gerecht werden können. Diese Grenzen sind im System der Unternehmenssteuerung angelegt und nicht durch herkömmliche Management-Instrumente zu überwinden. Auch eine Verlangsamung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ist nicht in Sicht.

Wir sollten vielmehr auf das Verständnis und das Zusammenspiel von Management und Leadership zurückgreifen, das von Prof. John Kotter herausgearbeitet wurde. Dann wird vieles klarer – nicht einfacher, aber klarer, und es ergeben sich Lösungsansätze, die uns einen großen Schritt voranbringen können. 

Betrachten wir ein Unternehmen durch die Brille seiner zentralen Handlungssysteme:
Der Kern eines Unternehmens ist das Handlungssystem Wissenschaft und Technologie. Das Tempo, mit dem die Menschheit die Grenzen des Möglichen und Machbaren erweitert, ist atemberaubend. Wenn dieser Kern strahlt, werden viele Schwächen und Fehler vergeben. Wenn er rostet, ist das Ende nah. 

Die beiden anderen Systeme sind Management und Führung. Diese beiden Begriffe werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich jedoch sehr hinsichtlich der Ziele, des Handelns und der Methoden. 

Management schafft Ordnung. Es plant, zerlegt das Ganze in logische Teile und Schritte, allokiert Ressourcen, setzt Regeln, legt Prozesse fest, organisiert, misst, kontrolliert, bestraft und belohnt. Dieses Handlungssystem ist eine der genialsten Errungenschaften dieses Jahrhunderts. Wir schaffen es damit, komplexe Organisationen verlässlich und effizient funktionieren zu lassen. 

Führung schafft Sinn und gibt Richtung. Sie bewegt, eint und beflügelt Menschen, gemeinsam Außergewöhnliches erreichen zu wollen. Führung ermutigt und befähigt Menschen, frustrierende Hindernisse auf diesem Weg anzunehmen und zu überwinden. 

Die beiden Systeme stehen miteinander in Spannung und fordern unsere Kreativität heraus, scheinbare Widersprüche zu versöhnen. So legt Management den Schwerpunkt auf Disziplin und Kontrolle der Mitarbeiter, Führung sorgt hingegen für ein vernünftig hohes Maß an Vertrauen, Freiheit und Wahlmöglichkeiten.

Etablierte Unternehmen, die sich mit der Veränderungsgeschwindigkeit besonders schwer tun, sind oft vom Management-System dominiert. Unsere Ausbildung, Kalender, Meetings, Aufstiegschancen, Vergütung und vieles mehr sind allesamt darauf ausgerichtet, dieses System zu bespielen. Doch dieses System mit seiner Hierarchie, seinen Abteilungen und Prozessen kann „verlässlich“ und „effizient“, es kann auch „immer ein bisschen besser“. Aber „agil“ kann es nicht. Und das letztlich aus einem sehr einfachen Grund: Es wurde nie dafür entwickelt.

Die Grenze in Richtung mehr Agilität lässt sich nur durch eine Stärkung des Führungssystems verschieben, um mehr Führungshandeln von mehr Menschen zu initialisieren. Es geht dabei nicht nur um die fünf Prozent der Menschen, die Führung als Teilaufgabe in ihrer Stellenbeschreibung haben. Was wir brauchen, ist nicht nur besser von wenigen, sondern mehr von vielen.

Wie schaffen wir ein Umfeld, in dem mehr Menschen wieder Vertrauen in sich und andere fassen, in dem sie Initiative, Führung und Verantwortung übernehmen, in dem sie an dieser Aufgabe wachsen, in dem sie Werte für das Unternehmen, seine Menschen und seine Kunden schaffen und in ihrer Arbeit Sinn, Spaß und Erfüllung finden? Und wie schaffen wir ein Umfeld, in dem gleichzeitig die tägliche Arbeit verlässlich und effizient erledigt wird? Das ist das wahre Lernfeld dieser Zeit. Wer genau hinsieht, entdeckt erste hoffnungsvolle Zeichen dafür, dass sich das Denken in diese Richtung öffnet und wandelt. Sicher ist: Dieser Umbruch im Managementsystem und der Aufstieg des Führungssystems werden wie vieles andere in unserer Zeit schnell geschehen.